OB-Wahlkampf in Landshut – Runde eins geht an Gruber und Putz

Skulpturenmuseum: Erste Podiumsdiskussion vier Monate vor der Oberbürgermeister-Wahl

Putz_podi

Umrahmt von den Moderatoren Helmut Wartner (links) und Uli Karg diskutierten die Kandidaten (von links) Patricia Steinberger, Stefan Gruber, Alexander Putz und Helmut Radlmeier im Skulpturenmuseum. Theaterregisseur Oliver Karbus, der unter den Zuhörern saß, kritisierte, dass der Bildhauer Fritz Koenig weltweit bedeutend, sein Museum in Landshut aber nicht überall bekannt sei. Dazu Gruber: „Landshut vermarktet sich extrem schlecht.“ Foto: rüd

Von Siegfried Rüdenauer

Einen klaren Sieger bei der ersten Podiumsdiskussion der Oberbürgermeister-Kandidaten hat es am Mittwochabend zwar nicht gegeben. Aber Alexander Putz (FDP) und Stefan Gruber (Grüne) lagen gleichauf vorne, als es im Skulpturenmuseum vor gut 250 Besuchern um das umfangreiche Thema Baukultur ging. Seriös trat CSU-Kandidat Helmut Radlmeier auf. Der Favorit wirkte am Mittwoch allerdings im Vergleich zu den anderen ein wenig blass. Patricia Steinberger (SPD) schlug sich gegenüber der Männer-Riege achtbar. Organisiert wurde der Abend vom Verein Architektur und Kunst. LM-Kandidatin Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner fehlte auf dem Podium. Sie tritt wie berichtet aus gesundheitlichen Gründen nicht an.

Moderiert wurde die knapp zweistündige Runde von Helmut Wartner – der Landschaftsarchitekt und Stadtplaner ist Mitglied des Vereins Architektur und Kunst – und von LZ-Chefreporter Uli Karg. Abgearbeitet wurde ein Baukultur-Fragenkatalog, der in die Themen sozialer Wohnungsbau, Denkmalpflege, Stadtentwicklung, Infrastruktur und öffentlicher Raum aufgeteilt war. Als es um die Frage einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft ging, nahm die über weite Strecken unaufgeregt und betont sachlich verlaufene Diskussion Fahrt auf. Kein Wunder, schließlich ist das Thema Herzblut der einen und für die anderen fast so etwas wie Teufelszeug. Steinberger verteidigte das Steckenpferd der SPD genauso wie Gruber. Radlmeier indes war ungewöhnlich heftig: „Es gibt andere, intelligentere Lösungen.“ An die Genossen gerichtet sagte er: „Ihr verbeißt euch in dieses Thema, nur weil die SPD kein anderes hat.“ Er räumte allerdings ein, dass das Thema sozialer Wohnungsbau in der Stadt lange verschlafen worden sei. Putz bezeichnete das Projekt unumwunden als „hanebüchen“. Wohnungsbau an sich sei natürlich wichtig, sagte Radlmeier und verwies darauf, dass die CSU schon viel unternommen habe, etwa Baugebiete im Westen ausgewiesen.

Erwartungsgemäß sprachen sich alle vier Kandidaten auch für den Denkmalschutz aus. Der besitze in Landshut einen hohen Stellenwert, auch wenn man sich dem Thema noch mehr widmen müsse, sagte Helmut Radlmeier. Bausünden gebe es im Übrigen auch in anderen Städten. Irritiert war Stefan Gruber über Radlmeiers Erkenntnis, wonach es kein Beispiel gebe, wo der Denkmalschutz von der CSU nicht unterstützt worden wäre. Gruber gab diese Definition: „Denkmalschutz ist Bewahren von Baukultur.“ In Landshut müssten Bauherren aber mehr dazu ermahnt werden, ihre Denkmäler zu erhalten.

„Ein paar Fenster mehr“

Patricia Steinberger kritisierte, dass oft nur zugesehen werde, wie ein Gebäude verfalle. Wie es anders und viel besser gehen könne, zeige das Beispiel Sparda-Bank in der Neustadt. Alexander Putz wünschte sich eine pragmatische Handhabung. Um Wohnraum zu schaffen, müsse es möglich sein, in die Dachstühle in der Innenstadt auch mal ein paar Fenster mehr einzubauen. Während Stefan Gruber die Meinung vertrat, dass neue Gebäude auch in der Innenstadt als solche erkennbar sein müssten, plädierte Patricia Steinberger dafür, dies zu unterlassen. Außerhalb sei es durchaus möglich und auch gelungen, etwa in der Wagnergasse. In Sachen öffentlicher Raum setzten die Kandidaten durchaus unterschiedliche Akzente. Gruber warb dafür, wichtige Projekte wie die Neustadt von Profis überplanen zu lassen, um umgehend zu betonen, dass die Zuständigen in der Stadtverwaltung selbstverständlich gute Arbeit leisteten. Putz hingegen lobte die Umgestaltung der Neustadt in höchsten Tönen und brach eine Lanze für die Leute des Tiefbauamts. Radlmeier empfahl, auch die Isar beim Thema öffentlicher Raum einzubeziehen. SPD-Kandidatin Steinberger sprach nicht von den großen Dingen, sondern den „Kleinigkeiten“, die genauso wichtig seien: Der öffentliche Raum müsse gepflegt werden, sagte sie, und gab das Motto „Rosen statt Unkraut“ aus. Besonders lobenswert sei der Einsatz vieler Achdorfer, die ihr Kriegerdenkmal wieder auf Vordermann gebracht haben.

Die Frage, wohin die Reise gehen soll, versuchten die Kanidaten beim Themenblock Stadtentwicklung zu beantworten. Gruber schlug vor, so etwas wie den Berliner Boulevard Unter den Linden auf die Luitpoldstraße zu übertragen. Die bisherige Entwicklung beim Bischof-Sailer-Platz nannte er als positives, den Bismarckplatz als negatives Beispiel. Putz will die Polizei aus der Neustadt heraushaben, um das Areal weiterzuentwickeln, Steinberger hat das Ziel, im Osten einen Stadtteil zu schaffen, der sich harmonisch einfügt. Radlmeier zufolge hat sich bisher alles ordentlich entwickelt, jetzt komme es auf die Nachverdichtung an. Eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis sei beim Thema Verkehr nötig, fanden Radlmeier, Steinberger und Putz.

Mobilität braucht Konzept

Wenn es um die Infrastruktur geht, ist die B 15 neu beherrschendes Thema. Radlmeier und Putz warben für die Weiterführung, Gruber forderte dazu auf, den „Wahnsinn“ bleibenzulassen und mehr auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu setzen. FDP-Mann Putz beharrte einerseits auf Autoparkplätzen in der Neustadt, machte sich aber auch für ein besseres Radwegenetz stark. Radlmeier argumentierte ähnlich, wies aber auch darauf hin, dass die Parkhäuser nicht ausgelastet seien. Wichtig sei es, ein Mobilitätskonzept aufzulegen. SPD-Kandidatin Steinberger forderte die Schulwegfreiheit für alle Schüler. Dies stärke den ÖPNV und entzerre den Verkehr.

Am Mittwoch hatten Gruber und Putz die Nase vorn, doch das war erst der Auftakt. Am 13. Juli geht es mit einer vom DGB organisierten Podiumsdiskussion weiter.

(Quelle: Landshuter Zeitung vom 10.06.2016)


Neueste Nachrichten