OB-Wahl in Landshut: Stichwahl!

OB-Wahl: CSU erlebt Debakel, FDP jubelt – Am 23. Oktober tritt Radlmeier gegen Putz an

alexander-putz-in-stichwahl_1

Der große Sieger des Wahlabends: „Wir werden feiern – allerdings nur ein wenig, denn wir haben noch zwei Wochen Wahlkampf vor uns.“ FDP-Kandidat Alexander Putz (hier mit Rotwein) ist der Gewinner des gestrigen Wahlabends in Landshut, entsprechend gut war die Stimmung bei der Wahlparty in „Paolos Weinbar“. Vor allem in den letzten Wochen des Wahlkampfs spürte er deutlichen Zuspruch. Fotos: Harry Zdera

Landshut hat gewählt – wer Nachfolger von Oberbürgermeister Hans Rampf wird, ist aber noch nicht entschieden: Es wird am 23. Oktober eine Stichwahl zwischen Helmut Radlmeier (CSU) und Alexander Putz (FDP) geben. Für die CSU und ihren Kandidaten war es angesichts der 32,75 Prozent von Helmut Radlmeier ein schwarzer Tag, die FDP jubelte über die 27,86 Prozent ihres Kandidaten. Stefan Gruber (Grüne) erhielt 22,4 Prozent der Stimmen, Patricia Steinberger (SPD) kam auf respektable 16,99 Prozent. Nicht einmal jeder zweite Wahlberechtigte ging gestern zur Wahl: Die Wahlbeteiligung lag bei mageren 46,34 Prozent.

Um 18.12 Uhr flimmerte über die Leinwand im Neuen Plenarsaal des Rathauses das erste Ergebnis: Zu dieser Zeit waren zwar erst sechs Stimmbezirke ausgezählt, der Stichwahl-Trend war aber bereits da auszumachen: Radlmeier lag bei 38,5 Prozent, gefolgt von Putz (27,2 Prozent), Gruber (20,7 Prozent) und Steinberger (13,6 Prozent). Im Plenarsaal wurde es immer stiller. Im Laufe des Abends verlor Radlmeier noch einige Prozent, bis schließlich zwischen ihm und Putz nur mehr 4,8 Prozentpunkte Unterschied lagen. Der Abend des 9. Oktober hatte damit

 

radlmeier

Konsterniert: Helmut Radlmeier

einige faustdicke Überraschungen parat: Die CSU, die seit 1970 ununterbrochen den OB-Sessel inne hat, erlebte mit dem Radlmeier-Ergebnis von 32,75 Prozent ein Debakel. Das Ziel, schon im ersten Wahlgang alles klar zu machen, hat der CSU-Stadtvorsitzende und Landtagsabgeordnete damit mehr als deutlich verfehlt. „Ein durchwachsenes Ergebnis, mit dem man nicht zufrieden sein kann“, sagte Radlmeier gegenüber der LZ. „Was mich überrascht, ist, dass sich die kommunalpolitischen Erfahrungen von mir und Stefan Gruber nicht in den Ergebnissen niederschlagen.“ Nichtsdestotrotz sei er für die Stichwahl optimistisch, so Radlmeier. Der amtierende Oberbürgermeister Hans Rampf sagte, für die Stichwahl sei für die CSU nur zu hoffen, „dass Helmut Radlmeier Wähler von Patricia Steinberger und Stefan Gruber mobilisieren kann“.

Bei der FDP dagegen herrschte Jubelstimmung: Wurden dem kommunalpolitisch bisher unerfahrenen Alexander Putz zu Beginn des Wahlkampfs nur Außenseiterchancen eingeräumt, holte er gestern aus dem Stand heraus 27,86 Prozent der Stimmen. Damit lag er ziemlich nah an seiner eigenen Prognose, die bei 28,5 Prozent lag. Für die Stichwahl ist Putz zuversichtlich: „Unsere Chance ist mehr denn je da. Ich bin überzeugt, dass ich bei den Wählern der anderen beiden Kandidaten großes Potenzial habe.“

Stefan Gruber bekam 22,4 Prozent der Stimmen. Mit seinem persönlichen Ergebnis sei er „soweit zufrieden“, sagte er gestern Abend – allerdings habe man damit das Ziel Stichwahl klar verfehlt. Das starke Abschneiden des FDP-Kandidaten ist seiner Meinung nach „der Schwäche von Helmut Radlmeier geschuldet“. Eine große Überraschung des Wahlabends war aber auch das gute Abschneiden von SPD-Kandidatin Patricia Steinberger: Mit ihren 16,99 Prozent hat sie das SPD-Ergebnis aus dem Jahr 2010 mehr als verdreifacht. Denn ihr SPD-Vorgänger als OB-Kandidat, Robert Gewies, riss 2010 mit 4,98 Prozent sogar die Fünf-Prozent-Marke. Sie war mit ihrem Ergebnis auch entsprechend zufrieden: „Für einen kompletten Neuling auf dem politischen Parkett ist das doch sehr respektabel.“

Die Freien Wähler stellten bei der OB-Wahl 2016 keinen Kandidaten. Bürgermeister Erwin Schneck kommentierte das Ergebnis gestern so: „Demokratie ist hart. Mit einer Stichwahl habe ich gerechnet, aber ein so schwaches Ergebnis für Helmut Radlmeier habe ich nicht erwartet.“ Er bezeichnete es gestern aus FW-Sicht als „einen der größten Fehler, keinen eigenen Kandidaten nominiert zu haben“.

Überrascht über den Ausgang der Wahl war auch Hans-Peter Summer, Fraktionsvorsitzender der Landshuter Mitte: „Ich habe zwar auf Stichwahl getippt, mit diesen Ergebnissen habe ich aber nicht gerechnet.“ Den Wahltag erlebte er „mit sehr gemischten Gefühlen“. Bekanntlich war die Kandidatin der LM, Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner, Anfang Juli einem Krebsleiden erlegen. „Mit unserer Kandidatin hätten wir heute eine große Chance gehabt, zu gewinnen“, sagte Summer.

Die Wahlbeteiligung indes ließ zu wünschen übrig: Gingen bei Hans Rampfs Wiederwahl 2010 noch 50,7 Prozent der Stimmberechtigten an die Urne, waren es gestern nur 46,34 Prozent. Wahlberechtigt waren 54 400 Landshuter – durch den großen Zuwachs der Stadt 6000 mehr als noch vor sechs Jahren. -jv/sig-

alexander-putz-in-stichwahl_2(Quelle: Landshuter Zeitung vom 10.10.2016, Stadtteil Landshut)

 


Neueste Nachrichten