„Zu bürokratisch und zunehmend überflüssig“

Impfzentren und Priorisierung: Gynäkologe Dr. Detlev Werner schilderte FDP-Kreisvorstandschaft Erfahrungen „Es gibt mehr Impfstoff. Zunehmend werden auch Bürger eingeladen, die selbst sehr überrascht sind, dass sie schon dran sind, während sich in der Praxis Patienten beklagen, dass sie immer noch keine Einladung zur Impfung erhalten haben, zum Beispiel eine 79-jährige Patienten mit schwerer Lungenerkrankung.“ Von solchen Fällen berichtete Dr. Detlev Werner, Inhaber einer gynäkologischen Gemeinschaftspraxis in Pocking, den Mitgliedern der FDP-Kreisvorstandschaft Freyung-Grafenau vor wenigen Tagen in einer Videokonferenz.
Die Folgerung des Arztes: Die Priorisierung, die anfangs sinnvoll war, als zunächst die Bewohnerinnen und Bewohner von Altenheimen an der Reihe waren, funktioniere nicht mehr und werde zunehmend sinnlos.

Damit würden die teuren Impfzentren, die für die Priorisierung richtigerweise geschaffen wurden, überflüssig, ist Dr. Detlev Werner überzeugt, der in den vergangenen Monaten Erfahrungen als Impfarzt im Impfzentrum Passau gesammelt hat. Seine Botschaft an die Politik: „Gebt Euren Kontrollzwang auf und lasst einfach die niedergelassenen Haus- und Fachärzte ihren Job machen. Die kennen ihre Patienten und wissen, wer die Impfung am dringendsten braucht!“ Das sei jedenfalls besser als irgendein anonymes Einladungssystem, das sich nur nach den nicht validierten, von den Patienten selbst eingetragenen Angaben richten könne, die dann aufwendig vor der Impfung überprüft werden müssten.

Wenn die Ärzte ihre ihnen bekannten Patienten impften, spare das eine Unmenge an Bürokratie, damit viel Zeit, medizinische und finanzielle Ressourcen. „Das Impfprogramm wird dadurch erheblich an Fahrt und Vertrauen bei Bürgern gewinnen. Schon jetzt hat sich allein durch die Einbeziehung der Hausärzte die Impfgeschwindigkeit verdoppelt“, betonte Dr. Werner.

Ein Thema in der Videokonferenz war auch der Impfstoff von Astrazeneca. Dieser sei unnötig schlecht geredet worden, sagte der Mediziner. Die Runde war sich einig, dass schwerwiegende Komplikationen bis hin zu Todesfällen nicht unterschlagen oder heruntergespielt werden dürften. Auf der anderen Seite müsse man aber auch bedenken, wie viele Menschen an einer Corona-Erkrankung sterben müssten, wenn die Impfkampagne wegen des schlechten Images von Astrazeneca wieder ins Stocken gerate.

Einen Impfzwang lehnten die FDP-Mitglieder ab, machten aber deutlich, dass ihrer Meinung nach geimpfte Menschen wieder mehr Rechte zurückbekommen müssen, die jetzt während der Pandemie eingeschränkt seien. Darunter fielen zum Beispiel ein Kino- oder Theaterbesuch, ein Essen in einem Restaurant oder mehr Reisefreiheit. Das müsse dann wieder möglich sein. −


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