Medizinische Versorgung im ländlichen Raum

Der FDP-Bezirksverband Niederbayern um Bundestagsabgeordnete Nicole Bauer beschäftigte sich gemeinsam mit dem liberalen Kreisverband Dingolfing-Landau mit dem Gesundheitssystem der Zukunft und der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum.

Für dieses wichtige Thema wurden externe Experten ans Board eingeladen. Zugeschaltet waren der Landtagsabgeordnete Dr. med. Dominik Spitzer sowie mit Dr. med. Detlev Werner ein niedergelassener Arzt aus dem Landkreis Passau und stellvertretender Vorsitzender des Landesfachausschusses Gesundheit.

Dabei waren neben den Mitgliedern der FDP Niederbayern zudem viele interessierte Bürgerinnen und Bürger. Die Liberalen freuten sich sehr über die rege Teilnahme und die parteiübergreifend zielführende Diskussionsrunde. Moderiert wurde die Veranstaltung von Bezirksvorstandsmitglied Nicole Schmidbauer aus Moosthenning.

„Dass im ländlichen Raum teilweise ein medizinischer Versorgungsmangel herrscht, fiel mir auf, als ich 2011 von München nach Niederbayern umzog. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, einen neuen Frauenarzt in Dingolfing zu finden, war ich erst im 10 Kilometer entfernten Landau an der Isar erfolgreich.“ So schildert Nicole Schmidbauer ihre eigenen Erfahrungen mit dem Thema des Abends.
Dr. Detlev Werner berichtete Ähnliches von Bürgern, die in die Region kommen und vergeblich einen Haus- oder Facharzt suchen. Da in den kommenden Jahren ungefähr ein Drittel niedergelassener Ärzte in den wohlverdienten Ruhestand gehen, droht der Region in naher Zukunft ein ernstzunehmender Versorgungsengpass. Die Situation sei jetzt schon vielerorts kritisch, besonders in ländlichen Gebieten wird es aufgrund der Mangelsituation der medizinischen Versorgung oft schwierig einen Arzttermin zu bekommen“, gab Dr. Detlev Werner zu denken. Als Beispiel nannte er das Bäderdreieck um Bad Füssing, das statistisch gesehen eine ärztliche Überversorgung zeigt. Die Kurmediziner stünden der Bevölkerung jedoch hausärztlich nicht zur Verfügung, zählen aber aufgrund der 25 Jahre alten und willkürlichen Bedarfsplanungen zu den Hausärzten. Das führt auf dem Papier zu einer Überversorgung.

„Um eine gute ärztliche Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, müssen wir schon heute nach tragfähigen Lösungen für die Zukunft suchen. Wir dürfen nicht zulassen, dass in Niederbayern der Versorgungsstandard durch fehlenden medizinischen Nachwuchs gefährdet wird“, unterstreichen die Mitglieder des FDP Bezirksverbands Niederbayern. Der Landtagsabgeordnete Dr. Dominik Spitzer wies dabei auch auf den für ländliche Regionen wie Niederbayern nachteilige gesetzliche Rahmenbedingungen hin. „Eine Landarzt-Quote oder das System der Bedarfsplanung für die medizinische Versorgung sind nicht zielführend. Fakt ist, dass diese Maßnahmen nicht oder viel zu spät greifen. Es gibt viele Hausaufgaben zu machen und die können nur erledigt werden, wenn man das Gesamtszenario nüchtern analysiert und handelt. Und genau das ist schon seit längerer Zeit nicht erkennbar.“.

Um Anreize zu schaffen, dass sich Ärzte im ländlichen Raum niederlassen, gebe es „einen großen Blumenstrauß an Maßnahmen. Beispielsweise könnte man interessante finanzielle Anreize für Mediziner schaffen, Stipendien für Studierende mit der späteren Verpflichtung sich im ländlichen Raum niederzulassen oder einen Bonus für die Eröffnung im ländlichen Raum bereitstellen. Auch die Gebührenordnung für Ärzte sollte man anpassen, denn Hausbesuche im ländlichen Raum können schnell zum „Draufzahlgeschäft“ werden, weil die Wege in der Regel viel weiter sind als in der Großstadt. Leider aber verschließt die Regierung die Augen und reagiert nicht auf die kritische Entwicklung“, ergänzte Detlev Werner einige Lösungsansätze und die Wirklichkeit vieler niedergelassener Ärzte.

Dr. Spitzer kontrastiert das aktuelle Regierungshandeln. „Jegliche zielführende Vorstöße der Opposition werden leider von den Regierungsparteien ohne darüber nachzudenken vom Tisch gewischt. Das wird uns aber ganz sicher nicht aufhalten, uns weiterhin vehement für diese wichtigen Belange im ländlichen Raum einzusetzen“ ergänzt er kämpferisch. „Wir planwirtschaften uns in den Ruin. Häufig lässt sich doch – auch in anderen Bereichen – feststellen, dass sich die Realität der Praxis nicht an planwirtschaftliche Vorgaben hält. In Folge intensiviert man diese Planungen noch mehr, doch genau das ist der Fehler und ein Irrweg. Auch im Bereich der medizinischen Versorgung ist dringend eine Liberalisierung notwendig. Zu viel Planung und Regulierung erstickt viele kreative Lösungsansätze im Keim. Davon müssen wir schleunigst weg“ so Detlev Werner abschließend.


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