Mit Mops ins Rathaus

Zu Besuch bei dem OB-Kandidaten der FDP Alexander Putz in Bruckberg

Alexander Putz_Terasse

Von Emanuel Socher-Jukić

BRUCKBERG (LANDKREIS LANDSHUT) – Dass man im Hause Putz nicht zuerst von den Hunden empfangen wird, liegt vermutlich nur daran, dass sie die Haustür nicht öffnen können. Das bleibt dem Herrchen vorbehalten. Der drückt dem LZ-Redakteur freundlich und kräftig die Hand. Ein paar Schritte weiter wird man dann aber schon von den vier Hunden wahlweise beschnuppert, abgeschleckt oder aus kritischer Distanz beäugt.

Hunde, das wissen alle, die mit Alexander Putz (53), dem OB-Kandidaten der FDP, irgendwie zu tun haben, spielen in seinem und dem Leben seiner Frau Sabine eine ganz große Rolle. „Das sind Familienmitglieder“, sagt Putz, der im Kurzarmhemd und Jeans auf seiner Terrasse Platz nimmt. Sogar eine eigene Facebook-Seite hat er für Bilder, Videos und Geschichten rund um seine Hunde eingerichtet. Umso schrecklicher sind ihm deshalb die Tage Ende Juni in Erinnerung. Ein bis heute Unbekannter tötete damals die drei großen Galgos des Ehepaares Putz mit Giftködern. Ein gezielter Anschlag. „In so einem Moment fühlt man sich nicht mehr sicher“, sagt Putz, als er auf den Abhang am Haus blickt, wo alles geschah. Seine Frau wollte sogar wegziehen. Doch dann habe man so viel Solidarität erfahren, die unheimlich geholfen habe. Vor allem auf Facebook war die Anteilnahme riesig. Mittlerweile ist die Asche der Hunde an dem Hang vergraben, darüber sind Rosenstöcke gepflanzt. Das große weiße Sofa aus dem Wohnzimmer, auf dem die Galgos sich immer breit gemacht hatten, ist verschenkt. „Verdrängung hilft“, sagt Putz. Und das Akzeptieren der Tatsache, dass jemand einem Böses will.

Die Hundefamilie hat mittlerweile wieder Zuwachs bekommen: Zu den schon länger bei den Putz’ lebenden Möpsen Oli und Sophie und dem Chihuahua-Mischling Daisy ist kürzlich der Mischling Nuevo hinzugekommen. Eigentlich ein Pflegehund, der nun aber in den Stand der Familienmitglieder erhoben wurde. Schon vor dem Giftköder-Vorfall stand das Putz’sche Anwesen im Fokus: Das Pool-Häuschen entpuppte sich als Schwarzbau, ein verärgerter Nachbar erstattete Anzeige, die Angelegenheit wurde öffentlich. Alexander Putz sah und sieht die Sache sehr nüchtern. Schließlich habe er kein ganzes Gebäude neu errichtet, sondern lediglich an einen überdachten Bereich eine Glasfront angebracht. Auf die Idee, dass das genehmigt werden müsste, sei er nicht gekommen. „Den Baufortschritt habe ich sogar auf Facebook gepostet“, sagt Putz. Soll heißen: Er war sich keiner Schuld bewusst. Jetzt räumt er ein, dass es ein Fehler gewesen ist. Er werde nun eine Genehmigung beantragen und jede Entscheidung akzeptieren.

Seit 2011 wohnt das Ehepaar Putz in Bruckberg. Da drängt sich natürlich gleich die Frage auf, ob jemand Oberbürgermeister von Landshut werden kann, der gar nicht in Landshut lebt. Putz, der Partner eines sehr gut gehenden Ingenieurbüros in der Neustadt ist, sieht darin kein Problem. Schließlich arbeite er seit 23 Jahren in der Neustadt und verbringe entsprechend viel Zeit in der Stadt. „Ich habe mich schon immer als Landshuter gefühlt.“ 1982 kam der gebürtige Österreicher in die Region, ist längst deutscher Staatsbürger. Der Liebe wegen kam er als 19-Jähriger hierher, wurde noch im selben Jahr Vater einer Tochter. Sein Sohn kam vier Jahre später zur Welt. Seit 2009 lebt er mit seiner zweiten Frau Sabine zusammen, die ebenfalls zwei erwachsene Kinder hat.

Wäre er nicht so früh Vater geworden, dann hätte Putz gerne Politik und Publizistik studiert. Dafür war aber keine Zeit, und so hat er in seinem erlernten Beruf als Ingenieur zu arbeiten begonnen – mit durchaus großem Erfolg. Sein Büro ist an vielen großen bundesdeutschen Bauprojekten beteiligt, aktuell in einer Planungsgemeinschaft als Generalplaner für Ausführungsplanung der Isental-Autobahn. Eine nicht ganz schlechte Qualifizierung für jemanden, der Oberbürgermeister werden will.

Führt Putz einen durch den Garten und das Haus, das übrigens vorwiegend seine Frau geplant hat, hat man das Gefühl, das alles schon zu kennen: das lichtdurchflutete Wohnzimmer mit den riesigen Fensterfronten, die Terrasse mit eindrucksvollem Landschaftspanorama, den Naturpool, das Haus im Kubusbaustil – alles schon mal gesehen, obwohl man noch nie zu Gast war. Es genügt jedoch, einer von Putz’ über 1600 Facebook-Freunden zu sein. Putz ist jemand, der dort ein gutes Stück in sein Privatleben hineinschauen lässt: der neue Staubsaug-Roboter, die Feierabend-Zigarre auf der Terrasse, Bilder aus dem Familienalbum – und natürlich Hunde in allen Lebenslagen. „Meine Frau ist davon nicht begeistert“, sagt Putz. Sie verdreht bei dem Thema nurmehr die Augen, so als wolle sie sagen: Hilft halt nichts.

Zwischen Posts aus seinem Privatleben finden sich aber auch immer wieder kurze, geschliffene Beiträge zu politischen Debatten. Die Fähigkeit, Dinge klar und durchdacht zu formulieren, hat Putz auch schon einige Sympathien bei den diversen Podiumsdiskussionen eingebracht. Hier trifft das analytische Denken des Ingenieurs auf das Sprachgefühl des Bücherliebhabers. Neben dem Gitarrespielen sind Bücher seine große Leidenschaft. Früher war er eine Zeit lang im Literaturkreis der Volkshochschule, im gut gefüllten Bücherregal ist schnell eine Vorliebe für Thomas Mann auszumachen. Daneben Ephraim Kishon, Bertolt Brecht und viele Krimis von Jacques Berndorf. Wobei Lesen es bei Putz gar nicht mehr richtig trifft: Mittlerweile hört er zumeist Bücher. 150 Hörbücher hat er über sein Smartphone in einer Cloud abrufbereit. Beim Autofahren, beim Einschlafen, bei der Gartenarbeit – das Hörbuch ist ständiger Begleiter. Sogar beim Joggen lauschte Putz schon Weltliteratur: „Ein Bekannter hat mal gesagt ‚Thomas Mann beim Joggen geht gar nicht’ – tut es aber doch“, sagt Putz. Beim Thema Bücher kommt er auf seine Kindheit und auf seinen Vater zu sprechen. Der kam aus sehr einfachen Verhältnissen, war Maurer, hatte aber einen unbändigen Wissensdurst, den er an seine Kinder weitergab. Alexander Putz_Billardspielen„Dafür bin ich ihm sehr dankbar“, sagt Putz. Auch das Politische hat ihm der Vater mitgegeben, der viele Jahre Kulturstadtrat in dessen Heimatgemeinde Klosterneuburg nahe Wien war. „Bei uns wurde immer politisiert“, erinnert sich Putz. Seit 2012 ist er Mitglied der FDP, 2013 wurde er Vorsitzender des Stadtverbands. Auch um den Landesvorsitz hat er schon kandidiert, gegen den immer noch amtierenden Vorsitzenden Albert Duin. Knapp 26 Prozent erhielt Putz – ein sehr achtbares Ergebnis. Jetzt will er Oberbürgermeister werden. Der 53-Jährige rechnet sich durchaus Chancen aus, gegen den Favoriten Helmut Radlmeier (CSU) in die Stichwahl zu kommen. Sollte Putz tatsächlich ins Rathaus einziehen, könnte es sein, dass Landshuts OB ab und zu von einem Hund begleitet wird. „Aber nur,“, sagt Putz amüsiert, „wenn es passt.“

 

(Quelle: Landshuter Zeitung vom 03.09.2016, Seite 33)


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