Landshuts liberales Hoch

Was hat der Erfolg von Alexander Putz mit der FDP zu tun? Eine Spurensuche

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Der Einzug von Alexander Putz ins Landshuter Rathaus wäre ein historischer Erfolg für die bayerische FDP. Fotos: dpa, red/Montage: LZ-Grafik

Bayern – das ist seit Jahrzehnten FDP-Diaspora. Selbst als die Liberalen im Bund noch fester Bestandteil der Bundesregierung und aus dem Parlament nicht wegzudenken waren, krebsten sie im Freistaat oft an und bei Landtagswahlen nicht selten unter der Fünf-Prozent-Marke herum. 2013 war für die Bayern-FDP dann ein rabenschwarzes Jahr: Erst flog man hochkant aus Staatsregierung und Landtag, wenige Tage später folgte der K.o. bei der Bundestagswahl. Nun, drei Jahre danach, könnte den Liberalen ausgerechnet im tiefschwarzen Landshut ein Coup glücken.

In Altbayern hat es noch nie einen FDP-OB gegeben

Sollte Alexander Putz am kommenden Sonntag tatsächlich die Stichwahl gegen seinen CSU-Rivalen Helmut Radlmeier gewinnen, würde die FDP erstmals seit 32 Jahren wieder den Oberbürgermeister in einer kreisfreien bayerischen Stadt stellen.

Das war letztmals 1984 der Fall, damals räumte Kurt Scherzer nach 20 Amtsjahren den Chefsessel im Fürther Rathaus. Neben ihm gab es in Bayern seit dem Zweiten Weltkrieg nur einen weiteren FDP-Oberbürgermeister, und zwar im oberfränkischen Coburg: Walter Lange lenkte dort von 1948 bis 1970 die Geschicke der Stadt. In den kreisfreien Städten Altbayerns und Schwabens dagegen brachte die FDP bisher noch nie einen OB-Kandidaten durch. Insofern hätte ein Stichwahl-Erfolg von Putz – der noch dazu gebürtiger Niederösterreicher ist – also tatsächlich historischen Wert.

Landespolitisch wäre es für die FDP, die in zwei Jahren die Rückkehr in den Landtag anpeilt, ohnehin wie ein Sechser im Lotto, wenn sie ausgerechnet in einer boomenden Stadt wie Landshut den Rathauschef stellen dürfte. Unterstützung von Landeschef Albert Duin hat Putz im Wahlkampf aber nicht in Anspruch genommen. Im vergangenen Jahr lieferten sich die beiden noch ein Duell um den Landesvorsitz, das Putz damals recht eindeutig verlor. Für den Bauingenieur ist das allerdings Schnee von gestern: „Ich habe Albert Duin gleich am Wahltag gratuliert, er ist mein Landesvorsitzender, da gab es überhaupt kein Nachtreten.“ Es bestehe ein entspanntes Verhältnis, man telefoniere regelmäßig. Dass der Landesvorsitzende bisher keine Wahlkampfhilfe geleistet hat, habe mit einem wesentlichen Prinzip seiner Kandidatur zu tun: „Wir haben bewusst keine überregionalen Experten oder FDP-Persönlichkeiten eingeladen, sondern wollten immer deutlich machen: Das ist der Kandidat und um den geht’s.“

Putz macht in diesem Zusammenhang auch keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass es bei einer Oberbürgermeisterwahl weniger um Parteien als um Persönlichkeiten gehe: „Gerade in der Kommunalpolitik gibt es so viele Sachentscheidungen, die ich losgelöst von Parteiprogrammen sehe.“ Wo aber findet sich die FDP im Kandidaten Putz ? „Zunächst bin ich der Überzeugung, dass die Wertschöpfung vorangetrieben werden muss. Nicht zum Selbstzweck, sondern im Sinne gesellschaftlicher Verantwortung“, sagt Putz und verweist auf den Titel einer seiner Wahlkampfveranstaltungen: „Starke Wirtschaft für ein soziales Landshut.“ Ein weiteres „sehr liberales“ Thema seines Politikverständnisses sei der Grundsatz der Verantwortungsethik, der es – im Gegensatz zur Gesinnungsethik – erfordere, immer die Konsequenz des eigenen Handelns im Blick zu haben. „Das verstehe ich auch als Appell an Eigenverantwortung – ohne die sozial Schwachen im Regen stehenzulassen“, sagt Putz. „Ich habe viel Zutrauen in den Einzelnen und bin überzeugt davon, dass man gemeinsam etwas anpacken und positiv in die Zukunft schauen kann.“

Eine Ausrichtung nach dem „liberalen Kompass“ stellt denn auch Martin Hagen, Hauptgeschäftsführer der Bayern-FDP, beim „sehr unideologischen“ Kandidaten Alexander Putz fest: „Er ist am Einzelnen und der persönlichen Freiheit orientiert.“ Natürlich, so Hagen, sei eine Oberbürgermeisterwahl in erster Linie eine Persönlichkeitswahl. „Aber genauso wie es für die CSU ein Debakel ist, ist es für uns ein Erfolg.“ Nach Hagens Überzeugung wäre dieser Erfolg noch vor drei Jahren nicht möglich gewesen. „Damals war das Label FDP ein Malus. Es gab Bürgermeisterkandidaten der FDP, die das Logo auf den Plakaten weggelassen haben.“ Mit der 2014 begonnenen Neuaufstellung unter dem Bundesvorsitzenden Christian Lindner habe sich die Partei jedoch merklich verändert: „Die FDP steht wieder für Seriosität und Inhalte, es gibt keine Überheblichkeiten mehr.“ Putz sei nicht umsonst zu seiner Partei gestanden, deren Logo auch auf seinen Wahlplakaten prangt.

Heubisch: „Putz ist ein Aushängeschild“

Für Dr. Wolfgang Heubisch, als ehemaliger Kultusminister eine der großen Identifikationsfiguren der Bayern-FDP, ist Alexander Putz „das Beste“, was seiner Partei passieren konnte: „Er ist ein ruhiger und intelligenter Arbeiter. Ich kenne ihn schon seit langem und war immer überzeugt, dass er seinen Weg als Politiker machen wird. Er hat Zukunft.“ Zu Gute komme Putz dabei, so Heubisch, dass er keinen Politikerklischees entspreche: „Wenn ich mich da im Bayerischen Landtag umschaue, dann muss ich sagen: Alexander Putz ist kein gängiger Politiker.“ Für die Bayern-FDP sei der Landshuter OB-Kandidat „ein Aushängeschild“. Was die Stichwahl betrifft, ist Heubisch zuversichtlich: „Er hat einfach die Gabe, die Menschen zu erreichen. Und falls er gewänne, wäre das ein gewaltiger Schub für uns – auch für den Landtagswahlkampf.“

Von Uli Karg und Johannes Viertlböck

(Quelle: Landshuter Zeitung vom 18.10.2016, Stadtteil Landshut)


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