Landratswahlkampf in Kelheim: Demografischer Wandel beschäftigt KDFB

Die Landratskandidaten stellten sich den Fragen von 150 Frauen in Rohr. Richtig gegensätzliche Positionen gab es nicht.

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Mobilität im Alter war eines der Themen, um die es bei der Podiumsdiskussion des KDFB ging. Foto: dpa

ROHR (LANDKREIS KELHEIM) – Der KDFB steht nicht unbedingt im Ruf eine politische Organisation zu sein. Dennoch ist dem Frauenbund gesellschaftspolitisches Engagement wichtig. Das bewies die Podiumsdiskussion mit den Landratskandidaten im Gasthof Sixt in Rohr. Dorthin hatte der Frauenbund die Mitglieder seiner rund 40 Zweigvereine im Landkreis Kelheim am Donnerstagabend geladen. 150 Frauen nutzten die Gelegenheit zur Fragerunde, die leider einen Fehler hatte, für den der KDFB nichts konnte: Die einzige Frau unter den Kandidaten – Birgit Wack von der ÖDP – fehlte. Dennoch wurde es kein langweiliger Abend, die Fragen stellte der KDFB und zeigte damit, was den Frauen wichtig ist: der demografische Wandel, Umwelt- und Naturschutz sowie die medizinische Versorgung im Landkreis.

Menschen werden älter

„Die Menschen werden älter“, stellte Anneliese Röhrl, Bezirksleiterin des KDFB Kelheim und Moderatorin der Podiumsdiskussion, fest. „Wie werden wir im Alter leben? Wird es genügend Pflegekräfte geben?“, fragte sie und erinnerte, dass auch die Mobilität im Alter eine Herausforderung für die Gesellschaft sei. Martin Neumeyer, Kandidat der CSU, pflichtete der Bezirksleiterin bei, der demografische Wandel sei die „größte Herausforderung“ der Gesellschaft, sah aber auch Lösungen. So könnten fehlende Pflegekräfte dadurch ausgeglichen werden, dass im Landkreis eine Fachschule für Pflegeberufe eingerichtet würde. Optimistisch zeigte er sich auch, dass sich der ÖPNV auf die Bedürfnisse von Senioren umgestalten lasse. SPD-Mann Stephan Schweiger ergänzte, dass der ÖPNV deshalb gefördert werden müsse und die medizinische Versorgung „vor Ort“ gewährleistet werden müsse. Alois Schweiger (SLU) verwies darauf, es sei Aufgabe des Landkreises für das erforderliche Pflegepersonal zu sorgen und für die Mobilität empfahl er „Ruftaxis statt Geisterbusse“.

Dr. Heinz Kroiss (FDP) riet zu „innovativen Lösungen“ für den öffentlichen Personennahverkehr, der einen „Neustart“ brauche. Um die Zahl der Pflegekräfte aufzustocken, riet er die Zahl der Ausbildungsplätze zu erhöhen. Fritz Zirngibl (Bayernpartei) wies zudem darauf hin, dass man die Pflegekräfte auch „leistungsgerecht bezahlen“ müsse. Für die Verbesserung des ÖPNV empfahl er kleine Busse. Fritz Mathes (FW) betonte, dass es gut sei, dass der Verkehrswegeplan für den Landkreis fortgeschrieben werde. Seine Lösung für die Pflegekräfte liegt ebenfalls in der Bezahlung, das Personal sei nämlich unterbezahlt. Bernd Wimmer (ÖDP) trug die Antworten von Birgit Wack vor, nachdem die Fragen allen Kandidaten vor der Podiumsdiskussion vom Frauenbund mitgeteilt worden waren. So erfuhr das Publikum, dass sich Birgit Wack weitere Investitionen in den Nahverkehr wünscht, u.a. für behindertengerechte Busse, und aus demografischen Gründen die Ausbildungsorte erhalten werden sollen.

Zukunft der Krankenhäuser

Keine Überraschung war für die Frauen beim Thema „Wohnortnahe medizinische Versorgung“, dass alle Kandidaten am Bestand der beiden Krankenhäuser im Landkreis Kelheim festhalten. Gleichwohl lassen die Defizite der Kliniken die Kandidaten nicht unbeeindruckt.

So forderte Alois Schweiger, die Defizite müssten gesenkt werden, wobei er klarmachte, dass der Landkreis auch in Zukunft für das Minus aufkommen müsse. Fritz Zirngibl und Fritz Mathes sahen das ähnlich. Und auch Bernd Wimmer wies für Birgit Wack daraufhin, dass den beiden Kliniken eine Sonderstellung zukäme. Martin Neumeyer betonte: „Die Gesundheit unserer Bürger muss uns was wert sein.“

Dr. Heinz Kroiss meinte, nicht jedes Defizit sei hinnehmbar. Er schlug ein besseres Management für die Kliniken vor, um die Kosten zu begrenzen. Außerdem regte er für die bessere medizinische Versorgung im ambulanten Bereich einen Weiterbildungsverbund für Allgemeinärzte und die Einrichtung von Bereitschaftspraxen an den Krankenhäusern vor. Mathes und Neumeyer wollen auf Telemedizin setzen. Stephan Schweiger bezog sich auf den aktuellen Finanzüberschuss des Bundes und sagte: „Es ist genug Geld da. Es muss sich auch mal die große Politik bewegen.“

Kaum ein Kandidat versäumte es beim Umwelt- und Naturschutz im Landkreis Kelheim darauf hinzuweisen, wie schön und lebenswert der Landkreis ist. Gleichwohl gab es auch Kritik. So bemängelte Fritz Zirngibl, dass traditionelle landwirtschaftliche Betriebe immer größer würden, weshalb ökologisch arbeitende Betriebe gefördert werden müssten. Das sieht die ÖDP-Kandidatin ähnlich. Sie fordert zudem, die Flächenversiegelung zu stoppen. Martin Neumeyer gestand, das Ausbringen von Gülle auf die Äcker sei „nicht mehr so beliebt.“

Stephan Schweiger mahnte: „Wir müssen als Verbraucher umdenken.“ Der Verbrauch ökologischer Lebensmittel solle über Schulen und Krankenhäuser unterstützt werden. Alois Schweiger verwies auf die aus seiner Sicht erfolgreiche Vermarktung von Lammfleisch. Die Auswirkungen von Starkregen, so der SLU-Mann weiter, ließen sich in der Landwirtschaft durch Absprachen beim Feldanbau verringern. Der SPD-Kandidat ergänzte, der Landkreis solle Flächen an der Donau für den Hochwasserschutz kaufen. Fritz Mathes betonte zudem, erneuerbare Energien sollten genutzt werden, „wo es möglich ist“. Überdies sollten Naturschutzverbände und die Ökoallianz gefördert werden. Das wurde von Dr. Heinz Kroiss inhaltlich um den Hinweis unterstützt, dass er für den Bau von Windkrafträdern im Paintner Forst und regionale Netze mit Kraft-Wärme-Koppelung ist.

Die anschließenden Fragen aus dem Publikum waren spärlich. So kritisierte eine Mutter von drei Kindern die Regeln für das selbstständige Fahren eines Autos mit 17 Jahren. Gerade für Jugendliche in der Ausbildung sei das wichtig. Alle Kandidaten versprachen, sich um das Thema zu kümmern. Ein weiteres Thema war die Verkehrsentwicklung auf der B16.

(Quelle: Mittelbayerische online, Artikel von Jochen Dannenberg, vom 09.09.2016)


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