Hochhaus: Stadtrat stellt (fast) geschlossen seine Position zur Abstimmung

„Ja zur Entwicklung im Hochschulviertel“: Fraktionen stellen Ratsbegehren vor – Fachgremium soll Gestaltung begleiten

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Das Ratsbegehren stellten vor: Wolfgang Lorenz (vorne, v.l.), Paul Linsmaier, Josef Kandler, Karl-Heinz Gollwitzer (hinten, v.l.), Christian Moser, FDP Bezirksvorsitzender Alexander Fürter und Ewald Treml. Die Stadträte zeigten ein Diagramm, das die Höhe des geplanten Hochhauses mit der Werft-Hallen und den drei historischen Türmen vergleicht. – Foto: Roland Binder

DEGGENDORF – Sie sprechen für 90 Prozent der Stadträte: Fünf Fraktionsvorsitzende, Freie-Wähler-Stadtrat Karl-Heinz Gollwitzer und OB Christian Moser haben Ende Januar auf einer Pressekonferenz ihren Antrag für ein Ratsbegehren „Ja zur Entwicklung im Hochschulviertel“ vorgestellt. Es wird im Frühjahr – der genaue Termin steht noch nicht fest – zusammen mit dem Bürgerbegehren „Nein zum Hochhaus“ den Deggendofer Wählern zur Abstimmung vorgelegt.

Die Frage lautet: „Sind sie dafür, dass im Hochschulviertel im Rahmen der Bauleitplanung Gebäude mit bis zu 36 m Höhe zugelassen werden und deren Gestaltung durch Fachleute (vom Stadtrat bestimmt) begleitet wird?“

Die Stadträte hätten in der Diskussion der vergangenen Monate viel Rückhalt in der Bevölkerung für die Pläne im Bereich zwischen Hochschule und Innenstadt erfahren, sagte CSU-Fraktionschef Paul Linsmaier. Deshalb sollten die Deggendorfer, die die Position des fast kompletten Stadtrats teilen, beim Bürgerentscheid die Gelegenheit bekommen, dies klar auszudrücken.

Ihre Unterstützung für das Ratsbegehren demonstrierten Ende Januar die Fraktionsvorsitzenden Paul Linsmaier (CSU), Wolfgang Lorenz (SPD), Ewald Treml (WAN) sowie Josef Kandler (JL) und Alexander Fürter (FDP) von der Ausschussgemeinschaft JL/FDP. Grünen-Fraktionschef Christian Heilmann war kurzfristig verhindert, er ließ aber OB Moser ausrichten, dass die Grünen-Fraktion uneingeschränkt hinter dem Ratsbegehren stehe.

Ausdrücklich unterstützt auch Karl-Heinz Gollwitzer von den Freien Wählern das Ratsbegehren. Er spreche auch für seinen Fraktionskollegen Markus Mühlbauer, sagte Gollwitzer. Drei FW-Stadträte hatten das Bürgerbegehren gegen das Hochhaus initiiert. Als Architekt habe er sich in einem längeren Prozess seine Meinung zu dem Hochhaus an der Stadthallenkreuzung gebildet, so Gollwitzer. Er sehe die Pläne positiv, „und dabei bleibt es auch und deshalb sitze ich hier“.

Linsmaier sprach von einem Signal, dass „wir alle Deggendorf nach vorne bringen“ wollen. Der CSU-Fraktion sei wichtig, dass der historische Kern der Innenstadt geschützt sei. Außerhalb der Innenstadt müsse sich die Stadt aber entwickeln können. Auf dem 6,5 Hektar großen Gelände könnten bei innovativer Planung so viele Arbeitsplätze entstehen, wie in einem Gewerbegebiet mit 30 Hektar.

Wolfgang Lorenz erinnerte daran, dass Deggendorf nur begrenzt Flächen zur Verfügung hat. „Deshalb muss man in die Höhe gehen.“ Das neue Viertel brauche einen „Markstein“. Außerdem sei das Hochhaus kaum höher als die Hallen der nahen Werft, die 30 Meter hoch sind.

Josef Kandler fragte, was in Deggendorf in den vergangenen Jahrzehnten umgesetzt worden wäre, wenn man sich immer auf die „Bremser“ verlassen hätte: „Es hätte keine Umgehung, keine Tiefgaragen in der Innenstadt und keine Landesgartenschau gegeben.“ Alexander Fürter meinte, er finde ein hohes Gebäude architektonisch ansprechender als einen „breiten Klotz“.

Für Ewald Treml ist das Ratsbegehren die „logische Konsequenz“ aus dem Stadtratsbeschluss, mit dem im Oktober der Bebauungsplan „Die Bogen“ samt 36 Meter hohem Gebäude an der Stadthallenkreuzung gebilligt worden war. Das Bürgerbegehren hält Treml für irreführend, weil bei 22 Metern Wandhöhe auch noch das Dach dazukomme und damit ein deutlich höheres Gebäude möglich sei. Im Ratsbegehren werde dagegen die Höhe des Gebäudes samt Dach auf 36 Meter gedeckelt. Treml warnte außerdem davor, dass eine Begrenzung der Wandhöhe im Bebauungsplan „Die Bogen“ auch Auswirkungen auf die Umgebung haben würde. Damit wäre sowohl die Entwicklung der Hochschule als auch der Werft massiv behindert. OB Christian Moser teilte dazu mit, dass die Werft im Dezember die Erhöhung weiterer Hallen auf 30 Meter beantragt habe.

Der OB berichtete auch von einem Argument von Grünen-Fraktionschef Heilmann: Entscheidend sei für viele, wie das Gebäude aussehen wird. „Für ein hässliches Gebäude seien auch 22 Meter zu hoch“, habe Heilmann gesagt. Deshalb sehe das Ratsbegehren ein Gremium aus Fachleuten vor, die der Stadtrat bestimmt und die die Gestaltung begleiten.

Moser brachte auch eigene Zahlen und Argumente: Es gebe bereits 16 Gebäude in der Stadt, die eine Wandhöhe über 22 Meter haben. Die Traufhöhe (also der gemauerte Teil) des Rathausturms sei knapp 36 Meter. Zur Diskussion um die Sicht auf die Türme von der Autobahnbrücke aus, meinte Moser, diese Silhouette könne man gerade einmal seit 20 Jahren so sehen. 990 Jahre sei man nach Deggendorf über die Maxbrücke gefahren.

Im obersten Stock des höheren Hochhaus-Teils sei eine Gastronomie geplant, berichtete Moser. Das Dach des 33 Meter hohen Teils sei als Außenbereich dieser Gastronomie vorgesehen.

Am 9. Februar wird der Stadtrat die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens feststellen, das Ratsbegehren beschließen und einen Abstimmungstermin festlegen.

(Quelle: Passauer Neue Presse Deggendorf – Interview: Stefan Gabriel)


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