Großes Interesse an FDP-Veranstaltung: Schulsprengelpflicht in der Diskussion

ABENSBERG (LANDKREIS KELHEIM) – Das Interesse in der Bevölkerung ist groß, wenn es um die Abschaffung der Schulsprengelpflicht geht.

Schulsprengel 2015

Im Bild (v.l.) Maria Raum, Jasmin Laub, Dr. Fritz Schäffer, Wolfgang Brey, Michaela Butz, Peter Butz und Dr. Michael Schöll.

Der FDP Kreisverband Kelheim thematisierte deshalb am vergangen Mittwoch die Schulsprengelpflicht und lud zahlreiche Experten ins Wirtshaus beim Lauberger nach Abensberg. Die Gäste der Diskussionsrunde waren Dr. Fritz Schäffer vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband Bayern (BLLV), der Kelheimer Kreisvorsitzende des Bayerischen Beamtenbundes (BBB) Wolfgang Brey, Michaela und Peter Butz, Starter der Initiative „Elternrechte fordern“ und Jasmin Laub, fachpolitische Sprecherin für Bildung, Schule und Sport der FDP Bayern.

„Ziel der Veranstaltung ist es, die Gründe für und gegen die Schulsprengelpflicht zu diskutieren und der Frage nachzugehen, welche Voraussetzungen für deren Abschaffung nötig wären.
In Bayern herrscht Sprengelpflicht. Das bedeutet: Nicht die Eltern entscheiden, welche Grund- oder Mittelschule ihr Kind besucht – anders als bei Realschule und Gymnasium. Stattdessen entscheidet der Wohnort über den Schulort. Ist das noch zeitgemäß?“, fragt die FDP Kreisvorsitzende Maria Raum (Siegenburg).
„68% der Eltern befürworten die Abschaffung des Schulsprengels.“, so Wolfgang Brey.
Für Wolfgang Brey ist entscheidend, dass das Kindeswohl im Vordergrund stehen müsse. „Grundsätzlich werden Gastschulanträge nur aus „zwingenden Gründen“ genehmigt. Dennoch macht es wenig Sinn auf die Schulsprengelpflicht zu bestehen, wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Schule und Elternhaus zerrüttet ist“, so Brey.

Familie Butz ist für einen Neuanfang umgezogen. Nachdem ihr Kind mit Mobbing und Diskriminierung zu kämpfen hatte, stellte sie einen Gastschulantrag. Nach der Ablehnung des Antrages hatten sich die Fronten zwischen Schule und Familie verhärtet. Heute können sie erleichtert feststellen: „Unserem Kind geht es sichtbar besser. Es geht wieder gerne zur Schule und auch die Noten haben sich wieder verbessert.“ Dennoch sind sich die Eltern Butz einig, dass man den Schulwechsel leichter hätte gestalten können.

Ausschlaggebend waren diese persönliche Erfahrungen für Familie Butz eine Online-Petition (www.schulsprengel.de) zur Abschaffung der Schulsprengelpflicht zu starten.
Die Resonanz auf die Petition ist laut Familie Butz groß. Seit Start der Petition würden sie oftmals von Eltern gefragt, die nicht wüssten, was es mit der Schulsprengelpflicht auf sich habe. Familie Butz leistet hier Aufklärungsarbeit. Oftmals würden sie mit heftigen Erlebnissen und Erfahrungen anderer Eltern konfrontiert.
Motivation ist für die Initiatoren der Petition jedoch die Erkenntnis: „Eltern kennen ihre Kinder und deren Bedürfnisse am allerbesten. Deshalb ist der Elternwille zu stärken.“
Jasmin Laub berichtete über Erfahrungen in Nordrhein-Westfalen, die mit der Abschaffung der Schulsprengelpflicht gemacht wurden. Dort sei zwischenzeitlich unter Regierungsbeteiligung der FDP die Schulsprengelpflicht abgeschafft worden und es habe dennoch nicht zu einer erdrutschartigen Veränderung der Schullandschaft geführt. Nur durchschnittlich 5% der Schüler würden eine andere Schule wählen, als die ihrem Schulsprengel entsprechende. „Die heimatnahe Schule wird also in der Regel aufgrund ihrer Wohnortnähe nach wie vor bevorzugt“, so Laub.
In der Diskussion wurden auch Bedenken zur Abschaffung angesprochen. So würde den Schulen die Planungssicherheit genommen. Daneben wurde auch die Sorge über die Gefahr eines Ausblutens von Schulen und Befürchtungen, dass sich die Situation in sozial schwierigen Gegenden zusätzlich verschärfe, geäußert.
Einen Vorteil der Abschaffung sieht Dr. Heinz Kroiss, FDP Kreisrat, darin, dass unter den Schulen Wettbewerb entstehen könne. Er sieht bei Abschaffung der Schulsprengelpflicht eine besondere Profilbildungsmöglichkeit der Schulen. Die daraus resultierenden vielfältigen Angebote kämen dann auch wieder den Schülern zugute.
Bei allen Argumenten pro Schulsprengelpflicht, müsse ein Wechsel der Schule unbürokratisch möglich sein. Er dürfe nicht vom Wohlwollen der Schulleitung abhängen. „Dass das Kind von Familie Butz nun regelrecht aufblüht zeigt, wie sinnvoll der Schulwechsel war.“, so Dr. Kroiss.
Dr. Fritz Schäffer fordert in diesem Falle jedoch einen „fairer Wettbewerb“. Die Schulen müssten für diesen Wettbewerb finanziell gut ausgerüstet sein, um bestehen zu können. „Dies ist eine der Bedingungen, die bei der Abschaffung der Schulsprengelpflicht gegeben sein müssten, damit es keine Verlierer unter den Schulen und damit unter den Schülern geben kann“, so Dr. Schäffer.
Damit rannte er bei Jasmin Laub offene Türen ein: „Die Budgetierung muss natürlich so gestaltet werden, dass Schulen mit einer schwierigen Ausgangssituation nicht unter die Räder kommen.“, so Laub.
Dr. Fritz Schäffer forderte darüber hinaus, den Standorterhalt von Schulen sicherzustellen: „Gemeinschaftsschulen oder integrative Angebote sollten zumindest auf freiwilliger Basis ermöglicht werden, damit sich in Gegenden mit weniger Schularten Schulen zusammenschließen können.“
Wolfgang Brey sieht das gelassen. Schließlich rechnet er damit, dass sich die Frage um die Schulsprengelpflicht aufgrund sinkender Schülerzahlen mit der Zeit ohnehin relativiert. So erwartet er, dass künftig in jedem Fall eine Konzentration der Schüler zwangsweise stattfinden wird.
Eine insgesamt sehr gut besuchte Veranstaltung bei der Experten, Schulleiter, Lehrer und Eltern lebhaft diskutierten.

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