„Starkes Handwerk, Starkes Niederbayern“

Jürgen Kilger spricht beim FDP-Bezirksparteitag zum Thema Handwerk – Siegfried Seidl wird stellvertretender Bezirksvorsitzender

STRAUBING – „Ostbayern würde ohne das Handwerk nicht funktionieren“. Eine Lanze für das Handwerk und für den Mittelstand brach kürzlich der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern, Jürgen Kilger. Beim FDP-Bezirksparteitag warnte er, dass es künftig an ausgebildeten Handwerkern mangeln könnte – und davon, Flüchtlinge als schnelle Lösung der Nachwuchsprobleme zu sehen. Dies wird den Betrieben kurzfristig nicht helfen, offene Ausbildungsstellen in ausreichendem Maße besetzen zu können.

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Liberale Kompetenz: Vorstandsmitglieder, Ehrenmitglieder, Mitglieder und Mandatsträger aus Landes-, Bezirks- und Kreisebene tagten beim FDP-Parteitag Niederbayern. Im Bild (v.l.) Bezirksschriftführer Alexander Putz, Birgit Danninger, frischgewählter Stv. Bezirksvorsitzender Siegfried Seidl, stv. Bezirksvorsitzende Maria Raum, Gerhard Drexler MdB a.D., stv. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern Jürgen Kilger, Bezirksrat Toni Deller, Landesvorstandsmitglied und stv. Bezirksvorsitzende Nicole Bauer, Landesvorstandsmitglied Armin Sedlmaier, Bezirksschatzmeister Claus Rothlehner, Bettina Illein und Mathias Baur.

Der FDP-Bezirksparteitag stand ganz im Zeichen „Starkes Handwerk, starkes Niederbayern“ und wurde von der Stellvertretenden Bezirksvorsitzenden und Landesvorstandsmitglied Nicole Bauer aus Velden geleitet. Bezirksrat Toni Deller übernahm mit FDP-Bezirksschatzmeister Claus Rothlehner aus Rottal-Inn und der Stellvertretenden Kreisvorsitzenden Claudia Raum aus Kelheim die Leitung des Tagungspräsidiums.

Nicole Bauer betonte die große Bedeutung des Handwerks. Verantwortungsvolles Unternehmertum und soziale Marktwirtschaft sind Grundlage unseres Wohlstandes und Triebfedern unserer Gesellschaft. Gerade das Handwerk in Niederbayern ist das wirtschaftliche Fundament, schafft Arbeits- und Ausbildungsplätze und ist von großer Bedeutung für unsere Gesellschaft. „Ja, Handwerk und Mittelstand sind der Motor unseres Landes“, der immer mehr mit zunehmender Bürokratie und Nachwuchsproblemen zu kämpfen habe.

Höhepunkt des Parteitags war der Vortrag von Jürgen Kilger. Er bestätigte die FDP-Sichtweise mit Zahlen: 2014 haben es 20.000 Handwerksunternehmen in Ostbayern gegeben, darin 200.000 Beschäftigte, die 25 Millionen Euro Umsatz gerierten. Er betitelte das Handwerk und den Mittelstand als „Rückgrat Bayerns“.

Allerdings sei die Zahl der Auszubildenden von 2012 auf 2014 um ca. 1.500 gesunken. „Dramatisch“, nannte Kilger diese Entwicklung. „Handwerker stehen vor der Herausforderung, junge Menschen für ihre Berufe zu begeistern.“ Die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Gebiet der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz ist von 2014 auf 2015 um etwa ein Prozent gesunken. Kilger ist darüber froh, weil das den Trend abschwächt. Im Vorjahr habe man noch bei vier Prozent gelegen, sagte er. Kfz-Mechatroniker, Elektroniker und Anlagenmechaniker sind laut Kilger die drei beliebtesten Ausbildungsberufe im Handwerk. Früher habe es dafür regelmäßig mehr Bewerber gegeben als offene Stellen. „Aktuell gibt es in Ostbayern noch 1.538 offene Lehrstellen, die meisten davon als Lebensmittelfachverkäufer – und danach kommen schon die sog. Trendberufe“. Die Schuld für den Azubi-Mangel im Handwerk sieht Kilger nicht allein im demografischen Wandel. Negativ auswirken würden sich auch die Abwanderung junger Menschen aus ländlichen Gebieten, eine mangelnde Infrastruktur, ein falsches Denken, das die akademische Ausbildung als die einzig wahre erachte, und eine fehlende Attraktivität des Handwerks.

Vor dem Hintergrund der steigenden Flüchtlingszahlen, ein weiteres Thema auf der Agenda des Parteitags – warnte Kilger davor, diese als schnelle Lösung des Nachwuchsproblems zu sehen. In Niederbayern gebe es derzeit 753 unbegleitete Jugendliche, die in Berufsschulklassen unterrichtet würden. Die jungen Menschen seien hoch motiviert, die Schüler hätten aber unterschiedliche Fähigkeiten- „Die Mischung reicht von Studenten, die sehr gutes Englisch sprechen, bis zu Analphabeten.“ Das Problem: Die Studenten, die ihre Ausbildung in zwei Jahren abschließen könnten, würden lieber an einer Universität weiterstudieren. Andere bräuchten länger. Er stelle nicht in Abrede das Potenzial besteht. Diese Jugendliche werden unser Problem von morgen aber nicht schnell lösen.

Im Rahmen des Parteitages kam es neben Antragsberatungen auch zu Nachwahlen.

Nahezu einstimmig wurde der 50-jährige Rechtsanwalt Siegfried Seidl als Stv. Bezirksvorsitzender gewählt. Seidl ist Kreisvorsitzender der FDP Rottal-Inn und engagiert sich seit Jahren im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik. Er ist Mitglied des FDP-Bundesfachausschusses für Internationale Politik und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Auswertige Politik e.V. (DGAP).

Im Rahmen des Parteitages wurden auch viele Anträge verabschiedet. Beispielhaft genannt seien Anträge zur Flüchtlingsproblematik „Asyl mit Herz und Verstand“, mehr Flexibilität bei der Elternzeit für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Nein zu Steuererhöhungen, Arbeitsstättenverordnung entrümpeln, Flexiblere Gestaltung des Denkmalschutzes und Schutz der Eigentumsgarantie. Für die FDP ist und bleibt das Recht auf Eigentum auch in Krisensituationen unantastbar.

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Liberale Kompetenz: Vorstandsmitglieder, Ehrenmitglieder, Mitglieder und Mandatsträger aus Landes-, Bezirks- und Kreisebene tagten beim FDP-Parteitag Niederbayern. Im Bild (v.l.) Florian Romanowski, Lenka Brázdilová, Detlev Werner, JuLis Bezirksvorsitzender Sven Werner, Bezirksschriftführer Alexander Putz, Birgit Danninger, stv. Bezirksvorsitzender Siegfried Seidl, stv. Bezirksvorsitzende Maria Raum, Gerhard Drexler MdB a.D., stv. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern Jürgen Kilger, Bezirksrat Toni Deller, Landesvorstandsmitglied und stv. Bezirksvorsitzende Nicole Bauer und Landesvorstandsmitglied Armin Sedlmaier.

 

Weitere Impressionen:

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Generalsekretär Daniel Föst beim Grußwort.

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„Ostbayern würde ohne das Handwerk nicht funktionieren“ so Jürgen Kilger, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz, bei seinem Vortrag zum Thema „Handwerk in Ostbayern – Herausforderungen für die Zukunft“.

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Die beiden Stv. Bezirksvorsitzenden Nicole Bauer und Maria Raum mit Bezirksschatzmeister Claus Rothlehner bei den Antragsberatungen.

 

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Antragsberatungen

Bild Albert Duin

Landesvorsitzender Albert Duin hielt das Schlusswort.

 


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