Ein Optimierer mit Weitblick

Landratskandidat Dr. Heinz Kroiss aus Abensberg findet, dass ein Landkreis an sich arbeiten muss, auch wenn’s gut läuft.

Von Beate  Weigert

Familie Kroiss zur Landratswahl 2016

Dr. Heinz Kroiss mit seiner Frau Karin. Der Allgemeinmediziner aus Abensberg tritt für die FDP bei der Landratswahl an. Foto: Weigert

ABENSBERG (Landkreis Kelheim) – Am Gartentor im Wohngebiet hinterm Abensberger Stadion warnt ein Schild „Achtung, Hund!“. 13 Briefträger, sieben Einbrecher, 17 Autoreifen und elf Katzen sollen auf das Konto des dahinter lebenden Vierbeiners gehen. Eine Rubrik „Redakteure“ hat er zum Glück (noch) nicht. Als der Hausherr öffnet, wird schnell klar. Die „Gefahr“ ist erst vier Monate alt, heißt Leo und ist ein neugieriger, verspielter schwarzer Labradoodle.

Sein Herrchen ist eigentlich das Frauchen, weil Herrchen berufsbedingt oft weg ist. Die Rede ist von Dr. Heinz Kroiss, dem FDP-Landratskandidaten. Von Beruf ist der 59-jährige Allgemeinmediziner. Ein 13-Stunden-Tag bei ihm die Regel.

Der große Garten hinter dem Tor ist ein Idyll mit Elefantenbaum, Gartenteich und viel Grün. Den hält seine Frau in Schuss. Er sei mehr der Mann fürs Grobe. Fürs Bäumeschneiden oder den Kompost. Nicht, dass ihm das Garteln nicht gefiele, aber die Zeit fehlt. Dr. Kroiss lebt hier mit seiner Frau Karin, die Lehrerin am Gymnasium in Rohr ist. Das Paar hat vier erwachsene Kinder. Tochter Michaela (32) wird in Kürze zum dritten Mal Mutter und dann sind da die Söhne Sebastian (30), Johannes (27) und Korbinian (22).

In München studierte Kroiss Humanmedizin. Diese versprach vielseitige Berufsmöglichkeiten. Weil damals der Einstieg nicht so leicht war, verschickte er 120 Bewerbungen quer durch den Freistaat – und landete Ende der 1980er in Abensberg. Zuvor in der Kelheimer Goldbergklinik. Den Facharzt machte er in Allgemeinmedizin. Dr. Kroiss schätzt die Abwechslung in dem Gebiet. Heute würde er sich in jedem Fall wieder so entscheiden, sagt der gebürtige Münchener.

Seine erste Wohnung im Landkreis Kelheim bezog er mit seiner Frau in Maierhofen bei Painten. 1988 eröffnete er in Abensberg seine Praxis in der Stadionstraße. Inzwischen gibt es dort vier gleichberechtigte Partner.

Er könne sich sehr gut vorstellen, ausschließlich Tumorpatienten zu betreuen, Sterbende zu begleiten. Doch fürs innere Gleichgewicht sei es besser vom Kleinkind bis zum Senior tätig zu sein. Schnupfen, Hexenschuss, Zucker, Bluthochdruck. Drei „Inseln“, drei Interessensschwerpunkte hat er aber. Seit mehr als 30 Jahren sind das Chirotherapie und Osteopathie. Vor 20 Jahren kamen Naturheilkunde und Homöopathie dazu. Vor fünf Jahren bildete er sich in Palliativmedizin fort.

„Ich bin kein Partymensch, keine Rampensau und keine Gagmaschine.“

Dr. Heinz Kroiss

Dr. Kroiss spricht ruhig, manchmal überlegt er erst ein wenig, bevor er antwortet. Ja, er sei ein gelassener, eher ruhiger Mensch. „Ich bin kein Partymensch, keine Rampensau und auch keine Gagmaschine“, sagt Kroiss. Er habe aber auch eine „unzufriedene Seite“. Der sei es geschuldet, dass er gerne alles optimal machen möchte. Es sei wie überall im Leben. Man könne sich mit dem begnügen, was man hat oder nicht. „Ich finde mich nicht gerne mit etwas ab“, sagt Kroiss. Auch mit weniger Engagement könnte er gut von seiner Praxis leben, aber sein Anspruch sei ein anderer.

So wie er dort an der Patientenorientierung arbeitet oder Abläufe optimiert, würde er das auch beim Landkreis tun. Auch wenn etwas ganz ordentlich laufe, lasse sich immer noch etwas verbessern.

Im Landratsamt fallen ihm einige Dinge ein, die er ändern wollte. Sicher müssten viele Gesetze und Strukturen berücksichtigt werden. Doch einiges ließe sich effektiver und flexibler gestalten. Wenn er etwa sehe, dass die Wirtschaftsförderung bei der Kommunalaufsicht angesiedelt sei und der Beamte vielleicht 20 Prozent seiner Zeit für Wirtschaftsförderung einsetzen kann, sei das ein Witz. Andererseits rückten zwei Beamte zu Kontrollen aus, wo einer reichte. Auch dass unter 60 Kreisräten manche „gleicher sind“, weil der Kreisausschuss im Gegensatz zum Kreistag fast alle wichtigen Entscheidungen treffe, stößt ihm auf. „Demokratisch sauberer“ wäre es anders herum. Auch dass viele Infos oft erst als Tischvorlage bei der Sitzung vorhanden sind, ärgert ihn.

Kroiss, der von 1999 bis 2009 FDP-Kreisvorsitzender war, und seit 2002 Stadtrat in Abensberg und Kreisrat ist, weiß, dass Politik das „Bohren dicker Bretter“ bedeutet. Sprich, dass man seine Ziele „mit Leidenschaft und langem Atem“ verfolgen muss. „Vieles geht nicht aufs erste Mal, aber vielleicht beim sechsten Mal. Und vielleicht nicht zu 100 aber zu 80 Prozent.“

So wie er 2002 bei der Abensberger Bürgermeisterwahl einen „Kontrapunkt“ zu Dr. Uwe Brandl setzen wollte, sieht er auch diesmal seine Kandidatur als „demokratische Pflicht“, um dem Wähler eine Auswahl zu bieten.

Mit dem Spirit der 68er und 70er ist er erwachsen geworden. Am Gymnasium sei’s völlig normal gewesen, dass der Unterricht mal für drei Stunden ausgefallen sei. Stattdessen wurden Bundestagsdebatten angeschaut und diskutiert. Dabei sei das Wilhelm-Gymnasium eine eher konservative Schule gewesen.

Neben einem Lehrer sei auch Hildegard Hamm-Brücher in vielerlei Hinsicht ein politisches Vorbild für ihn gewesen. Sie, die aus dem Freundeskreis der Weißen Rose stammte, machte sich stark für die Aufarbeitung der NS-Geschichte. Ein Thema, das Kroiss, der sich auch in der katholischen Jugendarbeit engagierte, wichtig war. Unter anderem war er Diözesanvorsitzender der Katholischen Jungen Gemeinde und BDKJ-Stadtvorsitzender. Damals wie heute findet er es wichtig, Dinge zu debattieren.

In München habe er über Jahrzehnte gesehen, wie es ist, wenn die SPD in der Stadt alleine regiert, im Freistaat die CSU. Jedes Mal gab’s die „Tendenz zur Selbstherrlichkeit und in Einzelfällen zur Korruption“. Das habe ihm gezeigt, dass ein Wechsel und eine Koalition gut tue. Wäre die CSU damals als er mit 23 bei der FDP eintrat, bei 20 oder 30 Prozent gelegen, hätte sie ihn vielleicht interessiert, sagt Kroiss.

„Ich finde mich nicht gerne mit etwas ab.“

Dr. Heinz Kroiss

Er sei keiner, der komme, wenn irgendwo ein Hype sei. In die FDP trat er ein, als diese gerade aus mehreren Landtagen geflogen war. Aus Überzeugung. Sicher hadere er ab und an mit ihr, vor allem auf Bundesebene. Doch in der Politik sei man immer in der Zwickmühle: Hänge man der reinen Lehre an oder wolle man etwas erreichen. In dem Moment stößt Karin Kroiss das Gartentor auf und kommt mit einem großen Korb auf die Terrasse. Sie war im Dürnbucher Forst beim Schwammerlsuchen. Höchst erfolgreich. „Da bekomme ich Hunger“, sagt ihr Mann. Die stattlichen Steinpilze, Maronen, Scheidenstreiflinge und Perlpilze gibt’s mal im Omelett, mal als Schwammerlbrüh’ oder mariniert mit Kernöl. Als Schwammerlexperte sei er von seiner Frau „angelernt“.

Selbst entspannt er lieber beim Lauf mit zwei guten Bekannten. Viermal die Woche holen sie ihn morgens für etwa eine Stunde ab. Der Morgen habe sich ergeben, weil er später meist nie Zeit hat. Ab und zu läuft Kroiss einen Halbmarathon, „aber nicht mit der Stoppuhr in der Hand“. Der 10-Kilometer-Silvesterlauf in Sandharlanden gehört für ihn zum Jahresabschluss. Zum Abspannen muss er nicht weit fahren, der Landkreis habe viel zu bieten. Mit dem Trekkingbike dreht er hier gerne eine Runde. Nur zum Wandern mag er’s gern alpin.

Zu Hausbesuchen und Zielen im 50-Kilometer-Radius fährt Kroiss seit 2014 mit einem BMW i3. Würde er zum Landrat gewählt, wäre seine erste Amtshandlung ein Elektro-Dienstauto. Denn ein Landrat bzw. Landkreis müsse auch Vorbild sein. Ein Fall für den Palliativmediziner sei der Landkreis aber in keinem Fall. Im Gegenteil. In vielen Bereichen verfüge die Region über sehr gute Rahmenbedingungen, bei Bildung, Infrastruktur oder Arbeitsplätzen etwa. Aber man könne mehr machen, bei den Krankenhäusern etwa. Die kommunale Klinik Mallersdorf könne Vorbild sein.

Ein Landrat müsse aber auch vorausdenken. Nicht nur bis zur nächsten Wahl. Er müsse Entscheidungen angehen, die 2030, 2040 oder 2050 relevant sein werden. Alternde Gesellschaft, ÖPNV, Carsharing. Vieles würde dann anders gesehen werden als heute. Da müsse man die Nase im Wind haben, Modellprojekte an Land ziehen.

(Quelle: Mittelbayerische Zeitung vom 25. August 2016)


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