OB-Wahlkampf Landshut: Der Wahlkampf nimmt erkennbar Fahrt auf

OB-Kandidaten lieferten sich beim Unternehmerfrühstück des einen offenen Schlagabtausch

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Konkrete Fragen, kurze Antwortzeiten: Bei der von BDS-Vorsitzendem Marco Altinger geleiteten Diskussionsrunde kamen (von links) die OB-Kandidaten Helmut Radlmeier (CSU), Patricia Steinberger (SPD), Alexander Putz (FDP) und Stefan Gruber (Grüne) einige Male gehörig ins Schwitzen. Foto: BDS

LANDSHUT – Gut drei Wochen sind es noch bis zur Oberbürgermeisterwahl und der Wahlkampf kommt jetzt erkennbar in Schwung. Mit ungeahnter Lebendigkeit diskutierten die vier Kandidaten beim Unternehmerfrühstück des Bunds der Selbständigen (BDS) gestern Morgen im Hotel Schönbrunn und scheuten sich dabei auch nicht, die Positionen ihrer Mitbewerber deutlich in Frage zu stellen. Vor allem zwischen Helmut Radlmeier (CSU) und Stefan Gruber (Grüne) kam es mehrmals zu einem Schlagabtausch auf offener Bühne. Aber auch Alexander Putz (FDP) und Patricia Steinberger konnten mit ihren Themen durchaus punkten.

Hilfreich zu dieser munteren Diskussion war wohl auch das Format: Zum einen stellte BDS-Vorsitzender Marco Altinger konkrete Fragen, so dass die Kandidaten kaum ausweichen konnten – zumal ihre Redezeit eng begrenzt war. Vor allem Gruber hatte damit so seine Probleme, immer wieder wurde er in seinem Redefluss vom Gongschlag gestoppt. Und zum anderen fehlten diesmal – da es sich um eine geschlossene Veranstaltung handelte – gänzlich die sonst anwesenden Claqueure der einzelnen Kandidaten, die jeden noch so seichten Beitrag ihres Favoriten grundsätzlich mit frenetischem Applaus belohnen.

Naturgemäß hatten Radlmeier und Putz bei den Unternehmern etwas leichteres Spiel. Vor allem in der Verkehrspolitik trafen sie den Nerv der Anwesenden. Beide sprachen sich für die „große Lösung“ aus: Weiterbau der B 15 neu, Osttangente, und auch die Westumfahrung soll wieder aufs Tapet gebracht werden – mittels eines neuen Bürgerentscheids. Putz sprach dabei die Fehler an, die seiner Ansicht nach beim negativ verlaufenen Entscheid 2012 gemacht worden seien: „Auch diejenigen im Stadtrat, die damals für die Westtangente waren, haben sich neutral verhalten, damit sie am Ende nicht zu den Verlierern gehören. Da wurde Oberbürgermeister Hans Rampf komplett im Regen stehen gelassen.“ Radlmeier widersprach dem zwar halbherzig, aber auch er sprach sich für einen neuen Anlauf aus und attackierte zugleich Stefan Gruber: „Wir können hier in Landshut keine verstaubte grüne Blockadepolitik gebrauchen.“ Gruber gab bereitwillig Contra: „Reden Sie doch erst mal mit den Gemeinden Ergolding, Tiefenbach und Kumhausen, durch deren Grund Ihre Straßen verlaufen sollen. Dann werden Sie sehen, dass Sie dort keine Verbündeten haben und das Ganze nicht realisierbar ist.“ Bei dieser emotional geführten Debatte ging etwas unter, dass sich auch Patricia Steinberger deutlich für die B 15 neu aussprach: „Da ist viel versäumt worden, da haben wir großen Nachholbedarf.“

Angesprochen auf das Erscheinungsbild der Stadt Landshut übte Putz scharfe Kritik an der Verwaltung, insbesondere im Bereich Tourismus: „Wir können nicht dasitzen, das Telefon anstarren und warten, dass jemand anruft.“ Auch die anderen Kandidaten waren der Ansicht, dass hier das Potenzial noch längst nicht ausgereizt ist. Radlmeier sprach in Bezug auf das die meiste Zeit brach liegende Gelände rund um die Sparkassen-Arena eher allgemein davon, dass man den Messenstandort attraktiver gestalten müsse. „Wenn das Theaterzelt wegkommt, sollte man das gesamte Areal neu überdenken.“ Gruber und Steinberger können sich ein Kongresshotel beziehungsweise ein Kongresszentrum an dieser Stelle vorstellen. Für Gruber wäre eine Dultverlagerung auf das Messegelände das Vernünftigste, da man dadurch die Grieserwiese neu planen könnte. Realistischerweise gebe es dafür jedoch wohl keine Mehrheit: „Da wäre der Widerstand aus der Bürgerschaft zu groß.“

„Man hat in Landshut Entwicklungen verschlafen“

Die angeblichen oder auch tatsächlichen Versäumnisse in der Vergangenheit zogen sich wie ein roter Faden durch die Diskussion. Insbesondere FDP-Mann Putz legte immer wieder den Finger in die Wunde, besonders beim Thema Alte JVA: „Das ist ein gutes Beispiel, wie man in Landshut Entwicklungen verschlafen hat.“ Hier gehe der Denkmalschutz zu weit. „Wo bleibt der Nutzen für die Menschen von Landshut?“, fragte Putz. Selbst von Stefan Gruber – als grüner Politiker eher unverdächtig, große Bauinvestitionen ohne weiteres zu unterstützen – kam hier Zustimmung: „Da wird die nächsten zehn Jahre nichts passieren. Wir können auf der jetzigen Beschlusslage nichts machen.“ Und auch Radlmeier gestand ehrlich ein: „Ich kann Ihnen leider nicht sagen, wohin hier die Reise gehen wird.“ Den Vorwurf von Putz, dass man die gleiche Entwicklung – ein großes, leerstehendes Gebäude in bester Innenstadtlage – nun auch bei der Martinsschule befürchten müsse, wehrte der CSU-Politiker jedoch ab: „Das ist mir zu einfach und zu billig, jetzt alles zu kritisieren. Punktuell gibt es sicher einiges zu verbessern. Aber insgesamt sind wir gut positioniert.“ Dies war zugleich das Schlusswort einer interessanten Veranstaltung, zu der die etwa 70 Anwesenden ihr Kommen sicher nicht bereuen mussten.

Von Bernhard Beez

(Quelle: Landshuter Zeitung vom 15.09.2016, Seite 28)


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