OB-Wahl in Landshut: Die Putz’sche Gelassenheit

Wahlsieger Alexander Putz (FDP) bleibt nach seinem riesigen Erfolg erstaunlich ruhig

bild-3

Triumphaler Einzug: Alexander Putz wird frenetisch beklatscht, als er zusammen mit seiner Frau Sabine das „Tigerlilly“ betritt. Foto: hz

Gefühlsausbrüche sind auch an diesem Abend bei Alexander Putz lange nicht zu vermelden. Trotz des phänomenalen Wahlergebnisses, trotz der historischen Dimension, die der Wahlabend aus Landshuter Sicht hat – Putz lässt sich über weite Strecken nichts von seinen Gefühlen anmerken. Irgendwann hat er im Plenarsaal dann doch kurz ein paar Tränen in den Augen. Zu diesem Zeitpunkt steht schon fest: Er wird neuer Oberbürgermeister Landshuts. Ansonsten ist er aber wie schon vor zwei Wochen, als er für viele überraschend die Stichwahl erreicht, erstaunlich ruhig und nüchtern.

Doch die Putz’sche Gelassenheit verfliegt, je näher er dem „Tigerlilly“ in der unteren Altstadt kommt, dem Lokal, wo seine Anhänger schon freudig erregt warten, um ihn zu feiern. Als er sich mit seiner Frau, Freunden und Unterstützern nähert, kommt ihm der Landesvorsitzende der FDP, Albert Duin, entgegen, umarmt ihn, gratuliert. Da schnauft Putz richtig durch, so als würde ihm erst jetzt die ganze Dimension dieses Abends bewusst werden.

Ein kurzer Moment des Sammelns, dann taucht Putz ein in die Menschenmenge, die da im „Tigerlilly“ auf ihn wartet. Er schiebt sich im Konfetti- und Luftschlangenregen durchs Lokal, die Begeisterung über seinen eindeutigen Sieg ist unter seinen Anhängern riesig. Putz kämpft sich durchs Lokal, steigt auf einen Stuhl und räumt in seiner nun ansetzenden Rede erstmal ein, dass ihm heute Abend die Worte fehlen. Ihm, dem selbst Helmut Radlmeier bescheinigt hatte, ein blendender Redner zu sein. Ein wenig Koketterie liegt dann doch in Putz’ Aussage, denn er trifft natürlich auch jetzt den richtigen Ton, wenngleich er für seine Verhältnisse sehr viel plakativer ist: „Es bewegt mich sehr, wie viele Menschen mir ihr Vertrauen gegeben haben“, sagt Putz und verspricht gleichzeitig, dass er auch der Oberbürgermeister aller sein will, die nicht für ihn gestimmt haben. Als er seinem engsten Team dankt, blickt er auch kurz zurück, auf den Weg, der im Dezember damit begonnen hatte, dass man in der FDP beschlossen habe, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. „Wir haben bewiesen, dass alles möglich ist, wenn man daran glaubt.“

Aller Partystimmung zum Trotz fängt sich Alexander Putz am Schluss seiner Rede wieder selbst in seiner Euphorie ein: „Ich werde nicht über die Stränge schlagen, weil wir morgen einen vollen Terminkalender haben.“ Neben einer Pressekonferenz in Landshut steht auch eine mit dem FDP-Landesverband in München an. An seiner Seite wird Albert Duin sitzen, der gestern Abend schon die Stoßrichtung klarmachte: „Wir werden als FDP nicht versuchen, Alexander den Erfolg wegzunehmen – das ist sein Erfolg.“

Bleibt noch die Geschichte von der Wäscheklammer. Putz hatte gestern in seinem Sakko eine dieser auf Volksfesten gerade beliebten Klammern samt Aufschrift dabei. „Gelber Neuling“ steht drauf. Erhalten hat er sie von Helmut Radlmeier beim Dultwettbewerb der Landshuter Zeitung im August. Die vier OB-Kandidaten mussten sich damals unter anderem gegenseitig eine Wäscheklammer überreichen, auf der eine Eigenschaft genannt ist. Radlmeier und Putz wurden sich zugelost, und während Radlmeier dem Polit-Neueinsteiger „Gelber Neuling“ draufschreiben ließ, hinterließ Putz nur ein Wort auf Radlmeiers Klammer: „Stichwahlverlierer“.

Von Emanuel Socher-Jukić

(Quelle: Landshuter Zeitung vom 24.10.2016, Stadtteil Landshut)


Neueste Nachrichten