Der neue OB von Landshut heißt Alexander Putz

Der FDP-Politiker lässt CSU-Favorit Helmut Radlmeier in der Stichwahl keine Chance

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Erdrutschsieg: Alexander Putz wird nach seinem deutlichen Erfolg über Helmut Radlmeier Anfang Januar den Chefsessel im Rathaus übernehmen.

Die Sensation ist perfekt: Der neue Landshuter Oberbürgermeister wird Alexander Putz heißen. Der als krasser Außenseiter gestartete FDP-Kandidat setzte sich gestern in der Stichwahl überdeutlich mit 63,0 Prozent gegen den lange klar favorisierten Landtagsabgeordneten Helmut Radlmeier (CSU) durch, der sich mit 37,0 Prozent begnügen musste. Der gebürtige Niederösterreicher Putz, der in Bruckberg wohnt, löst damit im Januar Hans Rampf ab, der aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl stand. Für die Christsozialen bedeutet die herbe Niederlage einen tiefen Einschnitt: Nach 47 Jahren müssen sie den Chefsessel im Rathaus räumen.

Dass es Radlmeier in der Stichwahl schwer haben würde, damit hatten alle Experten angesichts seines schwachen Ergebnisses im ersten Wahlgang (32,75 Prozent) gerechnet. Und dementsprechend war gestern kurz vor 18 Uhr auch die Stimmung im Plenarsaal: Vorfreude wie vor der Bescherung bei Putz und seinen Anhängern, verkniffene Mienen und bestenfalls verhaltener Zweckoptimismus im Lager des CSU-Bewerbers. Als wenige Minuten später die ersten Resultate aus den Stimmbezirken eintrudelten, sah es nur wenige Sekunden nach einer Überraschung aus: Radlmeier gewann nämlich den ersten ausgezählten Stimmbezirk (Ehemalige Schule Frauenberg) mit 58 Prozent. Doch dann begann der Siegeszug des Alexander Putz: Schnell übernahm er mit gut 55 Prozent die Führung – und seine ohnehin schon siegessicheren Sympathisanten brachen in lauten Jubel aus.

Als nach gut einem Drittel der Wahlbezirke der gelbe Putz-Ergebnisbalken stabil über der 60-Prozent-Marke zum Halten kam, war eigentlich schon klar, dass nur noch ein Wunder Helmut Radlmeier helfen konnte. Konsterniert stand der Christsoziale umringt von nicht minder geschockten Parteikollegen im Plenarsaal. Und die Ergebnisse wurden einfach nicht besser. Irgendwann rang sich Radlmeier eine erste Stellungnahme ab und sprach von „einem enttäuschenden Ergebnis für mich und für meine Partei. Der Bürger ist der Souverän und hat gesprochen, wir müssen dieses Votum natürlich akzeptieren.“

Putz „äußerlich ruhig, aber innerlich überwältigt“

Wesentlich leichter tat sich damit logischerweise Alexander Putz. Der wurde von seinen Anhängern schon weit vor dem vorläufigen Endergebnis gefeiert. Als dieses um 18.48 Uhr vorlag, nahm der 53-Jährige cool die ersten Glückwünsche der zahlreichen Gratulanten entgegen. „Ich bin äußerlich sehr ruhig, innerlich aber schon überwältigt und erfreut, dass mir so viele Menschen das Vertrauen geschenkt haben“, sagte er. „Ich habe Respekt vor der neuen Aufgabe, blicke ihr aber auch mit großer Vorfreude entgegen.“ Als Oberbürgermeister möchte sich Putz nach eigenen Worten nicht zuletzt für einen anderen Politikstil einsetzen. Mit Blick auf die schlechte Wahlbeteiligung, die gestern auf ein Allzeittief von nur noch 45,1 Prozent stürzte, kündigte der Liberale eine „Transparenz- und Kommunikationsoffensive“ an. „Wir müssen einfach viel mehr als bisher mit den Bürgern reden.“

Der scheidende Oberbürgermeister Hans Rampf war vom schwachen Abschneiden seiner CSU gezeichnet. Das Ergebnis sei eine Überraschung für ihn, gab der Rathauschef zu. „Die überwiegende Mehrheit der Landshuter möchte ihn offensichtlich als Repräsentanten der Stadt haben. Er hat es in den vergangenen Wochen verstanden, mit seinen Argumenten und seiner Persönlichkeit zu überzeugen.“ Zu den vielen Mandatsträgern, die Putz unmittelbar nach der offiziellen Verkündung des Wahlsiegs gratulierten, gehörte übrigens auch Landrat Peter Dreier (Freie Wähler). Er wünsche dem designierten OB „viel Kraft, damit er zusammen mit der starken Stadtverwaltung und dem Stadtrat Landshut weiter voranbringt“. Als Landrat bot er Putz eine enge Kooperation mit dem Landkreis an. „Das ist auch das, was die Bürger in der Region wollen.“ An ihm soll es nicht scheitern. „Und ich bin aufgrund seines Wahlkampfs davon überzeugt, dass Alexander Putz ebenfalls an einer guten Zusammenarbeit gelegen ist.“

Bayern-FDP jubiliert über Wahltriumph von Putz

Während in der CSU das Wehklagen über die krachende Niederlage laut war, freute sich die in den vergangenen Jahren wahrlich nicht von Wahlerfolgen übermäßig verwöhnte Bayern-FDP ausgelassen mit ihrem neuen Aushängeschild. Landeschef Albert Duin goss seine Euphorie via Pressemitteilung in folgende Worte: „Ich gratuliere Alexander Putz zu seinem verdienten Sieg. Sein Wahlkampf war einfach großartig: Sachlich, authentisch und nah am Bürger.“ Und Duins Stellvertreterin Britta Dassler, die den Abend im Plenarsaal miterlebte, rang um Fassung: „Eine 70 000-Einwohner-Stadt bekommt einen FDP-OB – da fehlen mir fast die Worte. Alex Putz wird einen sehr guten Job machen, da bin ich sicher.“

Die Ausmaße des Putz’schen Wahltriumphs belegt am besten ein Blick auf die Stadtteilergebnisse (siehe Text und Grafik oben): Von der Münchnerau bis Frauenberg/Auloh, von der Wolfgangsiedlung bis Achdorf – überall lag der Liberale klar vorne. Die politische Landkarte der Stadt ist gestern vom Wähler neu gezeichnet worden. Seit gestern glänzt Landshut nicht mehr schwarz. Die Stadt leuchtet gelb.

Von Johannes Viertlböck, Uli Karg und Emanuel Socher-Jukic

(Quelle: Landshuter Zeitung vom 24.10.2016, Stadtteil Landshut)


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